Equine IgG / passiver Immuntransfer (Fohlen)
Biologie / Hintergrund
Fohlen werden immunologisch naiv und praktisch ohne eigene zirkulierende Antikörper geboren. Die diffuse epitheliochoriale Plazenta der Stute lässt keinen Übertritt maternaler Immunglobuline auf das ungeborene Fohlen zu. Der Schutz des neugeborenen Fohlens in den ersten Lebenswochen beruht daher ausschließlich auf der Aufnahme von Immunglobulinen, vor allem Immunglobulin G (IgG), aus dem Kolostrum (Erstmilch). Gesunde Fohlen beginnen innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden zu saugen; maternale Antikörper sind im Blut bereits nach wenigen Stunden nachweisbar.
Pathophysiologie / Epidemiologie
Die Resorption intakter Immunglobuline über das Darmepithel ist nur in den ersten Lebensstunden möglich und nimmt rasch ab; mit dem sogenannten Darmverschluss (gut closure) innerhalb von etwa 24 Stunden endet die Aufnahmefähigkeit weitgehend, sodass eine orale Kolostrumgabe danach nur noch geringen Nutzen hat. Wird zu spät, in zu geringer Menge oder in unzureichender Qualität Kolostrum aufgenommen oder ist die Resorption gestört, resultiert ein unzureichender passiver Immuntransfer (Failure of Passive Transfer, FPT). FPT ist die häufigste Störung des Immunsystems beim Fohlen; begünstigende Faktoren sind unter anderem vorzeitiger Milchfluss der Stute, minderwertiges Kolostrum, unzureichendes Saugen sowie Frühgeburtlichkeit.
Verlauf & Folgen
Ein Versagen des passiven Immuntransfers verursacht selbst keine eigenständigen Symptome, ist aber ein wesentlicher Risikofaktor für die Gesundheit des Fohlens: Betroffene Tiere sind deutlich anfälliger für Infektionen, insbesondere für die neonatale Sepsis (Septikämie), die zu den Hauptursachen für Erkrankung und Tod in den ersten Lebenswochen zählt. Ein ausreichender Transfer ist eine Voraussetzung, jedoch keine Garantie dafür, dass ein Fohlen gesund bleibt.
Diagnostische Relevanz
Der Erfolg des passiven Transfers lässt sich beim Fohlen über die Immunglobulin-G-Konzentration im Serum beurteilen, üblicherweise etwa 18 bis 24 Stunden nach der Geburt; bei Risikofohlen kann bereits früher getestet werden. Als Referenz gilt eine Serum-IgG-Konzentration über 800 mg/dl als ausreichend, ein Wert zwischen 400 und 800 mg/dl als partielles und unter 400 mg/dl als vollständiges Versagen des passiven Transfers. Eine frühzeitige Einschätzung des IgG-Status erlaubt es, gezielt gegenzusteuern, etwa durch ergänzende Kolostrumgabe innerhalb des Resorptionsfensters oder durch eine intravenöse Plasmagabe nach dessen Ablauf.
Schnelltest-Komponente
Der Fassisi® Equine IgG ermöglicht eine semiquantitative Einschätzung des Immunglobulin-G-Status beim Fohlen aus Serum bzw. Vollblut und unterstützt damit die patientennahe Beurteilung des passiven Immuntransfers.
Quellenangaben finden Sie hier.